🗓 28.11.22 👤 Tara Rezaie Farmand

Darmkrankheiten – Wenn der Darm einfach nicht mehr funktionieren will

Verstopfung, Blähungen und Durchfall – Wir alle kennen solche Darmprobleme. Aber was passiert, wenn diese Symptome einfach nicht mehr verschwinden?

Darmkrankheiten – Wenn der Darm einfach nicht mehr funktionieren will

Wir bei KoRo finden: Der Darm darf kein Tabu mehr sein. Deswegen klären wir regelmäßig auf unserem Instagram-Kanal oder auf dem KoRo-Blog über Blähungen, Verstopfung und Co. auf. Wenn diese Darmprobleme aber einfach nicht mehr verschwinden und den Alltag begleiten, kann das sehr belastend werden. Entzündliche Darmerkrankungen sind keine Seltenheit. Rund 17 % der deutschen Bevölkerung leiden am Reizdarmsyndrom. 0,39 % erkranken an den Darmerkrankungen Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Aber was sind diese Darmkrankheiten eigentlich, woher kommen sie und wie kann man sie behandeln? 

Das Reizdarmsyndrom 

Ein Reizdarm (Englisch: Irritable Bowel Syndrom oder kurz IBS) ist eine Krankheit des Dickdarms, die sich durch langfristige Veränderungen der Darmaktivität zeigt. Wenn die Symptome Durchfall, Verstopfung und schmerzhafte Blähungen, meist nach Mahlzeiten, fortwährend anhalten, spricht man von einem Reizdarm.

Die Reizdarm-Diagnose holst Du Dir immer beim Arzt. Da es keinen bestimmten Test gibt, um einen Reizdarm festzustellen, werden verschiedene Tests durchgeführt, um andere entzündliche Darmerkrankungen auszuschließen. Wenn nichts gefunden wird, wird häufig ein Reizdarm diagnostiziert. Daher ist das Reizdarmsyndrom oft eine sogenannte Ausschlussdiagnose.

Warum habe ich einen Reizdarm?

Die Ursachen für einen Reizdarm sind noch nicht bekannt. Jedoch gibt es Studien, die auf eine gestörte Kommunikation der Darm-Hirn-Achse hinweisen. Dadurch könnten Überempfindlichkeiten und anormale Bewegungen des Darms hervorgerufen werden. Eine weitere Rolle bei der Entwicklung eines Reizdarms kann die Psyche spielen. Rund 45 % aller Patient:innen mit einem Reizdarm leiden auch an Depressionen, Angststörungen oder anderen psychischen Erkrankungen. Denn der Darm ist sehr eng mit der Psyche verbunden. Ein Großteil des Glückshormons Serotonin beispielsweise wird im Darm gebildet. Psychischer Stress ist ein Risikofaktor für die Entstehung eines Reizdarms, weswegen man ihn auch oft als nervösen Darm bezeichnet.

Den Reizdarm loswerden

Leider gibt es nicht das Medikament, das den Reizdarm verschwinden lässt. Mittel gegen Verstopfung oder Durchfall können eine kurzfristige Lösung sein, um die Verdauungsbeschwerden vorübergehend in den Griff zu bekommen. Es gibt einige Studien, die nachweisen, dass Pfefferminzöl Bauchschmerzen lindert. Dabei muss aber darauf geachtet werden, dass das Öl in einer magensäureresistenten Form eingenommen wird. Außerdem gibt es einige Probiotika, die die Symptome eines Reizdarms lindern können. 

Auch mit der Ernährung kann auf den Darm Einfluss genommen werden. Die Low-FODMAP-Diät wird bei Patient:innen mit Reizdarm oft empfohlen. Keine Sorge, es handelt sich nicht um eine verrückte Diät. FODMAP steht für fermentierbare Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide und Polyole. Diese Stoffe sind nicht schädlich, produzieren bei der Verdauung aber Gase und können Reizdarm-Symptome wie einen Blähbauch verschlimmern. Dazu zählen u. a. bestimmte Obst- und Gemüsesorten sowie Getreide. Das heißt aber nicht, dass Du diese Lebensmittel komplett aus Deiner Ernährung streichen solltest. Bei der Low-FODMAP-Diät geht es eher darum, die Menge dieser Stoffe bewusst zu steuern. Es gibt sogenannte “trigger foods”, also Lebensmittel, die den Darm ganz besonders reizen und Reizdarm-Symptome verschlimmern. Leider sind die bei jedem Menschen anders, so dass es keine einheitliche Liste gibt. Wie Du siehst, gibt es nicht die eine Therapie, um einen Reizdarm loszuwerden. Wenn Du langfristig Probleme mit Deiner Verdauung hast, lasse Dich unbedingt ärztlich beraten. Was Du hierbei nicht vergessen solltest: Der Reizdarm kann auch durch psychischen Stress ausgelöst werden. Eine psychotherapeutische oder psychiatrische Beratung kann daher genauso hilfreich sein. 

Chronische Darmerkrankungen

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind die häufigsten chronisch entzündlichen Darmkrankheiten und zählen zu den Autoimmunerkrankungen. Morbus Crohn kann in jedem Abschnitt des Verdauungstraktes auftauchen, also auch schon im Mund. Meistens ist aber das Ende des Dünndarms oder der Anfang des Dickdarms von der Entzündung betroffen. Die Symptome von Morbus Crohn umfassen wochenlangen Durchfall, Fieber und Bauchschmerzen, aber auch Begleiterkrankungen wie Gelenkschmerzen und Hautentzündungen. Im Unterschied dazu betrifft die Colitis ulcerosa nur die Darmschleimhaut. Beide Krankheiten treten in Schüben auf, d. h. der betroffene Abschnitt des Verdauungstraktes entzündet sich und erholt sich dann wieder. Weder Morbus Crohn noch Colitis ulcerosa sind ansteckend, da sie nicht durch Bakterien oder Viren übertragen werden. 

Ursachen von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Bis jetzt konnten Wissenschaftler:innen keine genauen Ursachen für die entzündlichen Darmerkrankungen feststellen. Genetische Faktoren, Umwelteinflüsse oder Rauchen gelten als Risikofaktoren. Jedoch gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass die Psyche oder die Ernährung die Krankheiten auslösen können. 

Therapie und Heilung von Morbus Crohn

Leider gelten weder Colitis ulcerosa noch Morbus Crohn derzeit als heilbar. Es gibt aber bestimmte Medikamente, die die Beschwerden lindern können. Diese sind abhängig vom betroffenen Teil des Verdauungstraktes. 

Es kann vorkommen, dass die Entzündungen trotz medikamentöser Behandlung nicht in den Griff bekommen werden können oder die Krankheit zu einem Darmverschluss führt. Dann ist unter Umständen eine Operation nötig und es wird ein künstlicher Darmausgang, auch Stoma genannt, gelegt. Jedoch ist das nicht bei allen Patient:innen der Fall. Nur weil Du an Morbus Crohn leidest, bekommst Du nicht automatisch einen künstlichen Darmausgang. 

Morbus Crohn kann das Risiko für Darmkrebs erhöhen und tödlich enden, wenn es unbehandelt bleibt. Daher ist es wichtig, regelmäßige ärztliche Check-ups durchzuführen, wenn Du an der Krankheit leidest oder seit längerer Zeit Darmbeschwerden hast. Auch wenn der Darm noch immer ein Tabu ist – vor Ärzt:innen solltest Du Dich nicht schämen. Denn erstens behandeln sie jeden Tag solche “Tabuthemen” und zweitens ist nichts peinlich, wenn es um Deine Gesundheit geht. 

Auf die Lebenserwartung wirkt sich Morbus Crohn bei der richtigen Behandlung nicht großartig aus. Jedoch kann die Lebensqualität stark eingeschränkt werden: Morbus Crohn sowie Colitis ulcerosa können sich auf die Psyche auswirken. Auch das gesellschaftliche Stigma kann Patient:innen sehr belasten. Es kann für Patient:innen hilfreich sein, sich in therapeutische oder psychiatrische Behandlung zu begeben. Menschen, die nicht an Darmkrankheiten oder einem Reizdarm leiden, sollten diese Belastung für Betroffene nicht noch verschlimmern. Das bedeutet, sich nicht über Darmaktivitäten lustig zu machen oder andere vorzuführen. Denn seien wir mal ehrlich – wir haben doch alle schonmal heimlich in einem Raum voller Leute gepupst oder hatten bei Durchfall nur ein öffentliches Klo zur Verfügung.