Bambus-Bashing wider Willen: Vom komplizierten Versuch, nachhaltiger zu leben

In seiner heutigen Kolumne berichtet Dominik Mauer von seinem komplizierten Versuch, nachhaltiger zu leben und gibt Tipps, wie es klappen kann.

Dominik Mauer, M.A., ist promovierter Linguist und lebt als Werbetexter, Autor und veganer Pizzabäcker in Berlin.

„Put your money where your mouth is!”

Dass Plastik eine fragwürdige Substanz ist, wissen nicht nur die Fans von Jan Delay. Immer mehr Verbraucher interessieren sich dafür, wo die Produkte herkommen, die in ihrem Alltag so unabdingbar scheinen. Und immer mehr suchen nach besseren Alternativen oder probieren sie einfach mal aus, wenn sie zufällig darauf stoßen. So habe ich mir auf einem bekannten Online-Marktplatz auf Wink des allmächtigen Algorithmus hin vor längerem spontan eine Vierer-Packung Bambus-Zahnbürsten bestellt, um der fatalen Vermüllung unseres Planeten endlich die Zähne zu zeigen.

Das Set schlug mit 14 Euro zu Buche, was 3,50 Euro pro Zahnbürste entspricht. Das schien mir hoch, doch in diesem Fall passte der Spruch „put your money where your mouth is“ ja perfekt. Leider blieb es bei dieser einen Bestellung. Das lag allerdings nicht am Preis, sondern an meinem persönlichen Praxistest, den das Produkt einfach nicht bestand, obwohl ich ihm eine wohlwollende Chance gab, Teil meiner Zahnpflegeroutine zu werden. Die Borsten waren einfach zu borstig.bambus

Genialer Rohstoff, bescheuerte Umsetzung

Während ich gerne bereit bin, das aktuelle Modell für eine Art Prototyp zu halten und den Bambus-Zahnbürsten der Zukunft nochmal eine Chance zu geben, stellt sich für mich noch eine grundsätzlichere Frage: Lohnt es sich als Verbraucher überhaupt, das begrenzte Budget in teure Produkte zu investieren, die uns als besonders nachhaltig verkauft werden? Oder sollte man die Nachhaltigkeit den Profis überlassen, selber möglichst günstige Produkte kaufen und das gesparte Geld Klima- und Umweltprojekten spenden?

Bambus, um bei diesem Beispiel zu bleiben, ist tatsächlich ein ziemlich genialer Rohstoff, da er extrem schnell wächst und deshalb deutlich mehr CO2 bindet als heimische Baumarten. Leider ist da, wo Bambus draufsteht, aber nicht immer nur nachwachsende Natur drin. Denn oft wird bei Bambusprodukten Melaminharz als Kleber verwendet. Dieser Kunststoff – eine Mischung aus Formaldehyd und Melamin – ist insbesondere bei Kaffeebechern problematisch, da sich daraus bei hohen Temperaturen gesundheitsschädigende Stoffe lösen können. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert deshalb, dass Bambus-Kaffeebecher mit Melaminharz verboten und importiertes Bambusgeschirr genauer überprüft wird.bambuspflanze

“Do your own research!”

Das Nachsehen haben in diesem Fall nachhaltig orientierte Verbraucher, deren nachfüllbare Becher nun in den Müll wandern werden statt sie auf dem werktäglichen Weg ins Büro zu begleiten. Das Geld wäre in diesem Fall also in Umweltschutz-Projekten besser angelegt gewesen, zumal Bambusprodukte durch die langen Transportwegen aus Asien einen Teil ihrer an sich exzellenten CO2-Bilanz wieder verspielen. Andererseits basiert unsere Wirtschaft auf dem Prinzip von Angebot und Nachfrage, weshalb es natürlich essentiell ist, klima- und umweltfreundliche Produkte auch nachzufragen, sprich: zu kaufen. Welche (vom Einzelnen oft unterschätzte) Macht Verbraucher hier haben können, zeigt sich z.B. dann, wenn Fleischproduzenten plötzlich vegetarische Produkte in ihr Sortiment aufnehmen. Und natürlich bleibt es eine gute Idee, wiederverwendbare Kaffeebecher zu verwenden (z.B. Thermobecher aus Edelstahl). Meine Strategie für die Zukunft lautet deshalb: Weiterhin nach innovativen nachhaltigen Produkten Ausschau halten, aber nicht gleich alles in den Warenkorb klicken, was irgendwie nachhaltig anmutet. Erstmal recherchieren, hinterfragen und die Preise vergleichen. Und im Zweifelsfall lieber sparen und spenden. Apropos: Für Neugierige hätte da noch eine Zahnbürste zu verschenken. Aus natürlichem Bambus und natürlich noch originalverpackt.

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