Interview mit Prof. Dr. Faltin

Mit seinem Modell der innovativen Unternehmensgründung und seinem Bestseller "Kopf schlägt Kapital" lieferte Prof. Dr. Günter Faltin die Grundidee für den wirtschaftlichen und innovativen Geist von KoRo. Wir hatten die großartige Gelegenheit, mit unserem Gründervater ein bereicherndes Interview zu führen.

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Interview mit Professor Dr. Günter Faltin (30.05.2018)

Kopf schlägt Kapital, der Bestseller von Prof. Dr. Günter Faltin, beinhaltet  nicht nur die Grundidee, die für den wirtschaftlichen und innovativen Geist von Koro verantwortlich ist, sondern wird auch inzwischen als Pflichtlektüre in unserem Koro-Team gehandhabt. Kein Witz, das ist der 1. Punkt auf der To-Do-Liste, wenn man bei uns anfangen möchte! Umso bereichender war es, als unsere beiden Geschäftsführer, Kosta und Piran, vor kurzer Zeit die großartige Gelegenheit hatten, den deutschen Professor und zugleich Unternehmensgründer persönlich zu treffen. Den meisten wird er durch seinen Bestseller „Kopf schlägt Kapital“ bekannt sein. Günter Faltin ist aber auch als Investor und Coach verschiedener Start-Ups fleißig unterwegs. Nicht ohne Grund ist er seit vielen Jahren mit seinem Modell der innovativen Unternehmensgründung sehr erfolgreich.

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Er selbst setzte Worte in Taten um und gründete seine „Teekampagne“, die inzwischen nicht nur mehr als 180.000 Kunden hat. Er ist Gründer des größten Teeversandhaus Deutschlands, welches der größte Importeur von Darjeeling-Tee weltweit ist. 

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In einem gemeinsamen Interview konnten wir ihm Fragen zu Themen wie Unternehmensstruktur, Produktselektion und Sortimentserweiterung stellen. Die Antworten möchten wir gerne mit euch teilen, um euch den größtmöglichen Mehrwert näher zu bringen. Es ist uns ein besonderes Anliegen für Transparenz für unsere Kunden zu sorgen. 

1. Was halten Sie denn von Bio und Fairtrade? 

„Sowohl Bio als auch Fairtrade wird in naher Zukunft ein Standard. In circa 10-20 Jahren wird der größte Teil aller Lebensmittel diese Siegel tragen und auch das Interesse der Kunden an dieser Art von Produkten wird stetig steigen. Klar, das heißt nicht, dass Bio und/oder Fairtrade zur Voraussetzung werden aber sicherlich tragen sie zur Bewegung zum Mainstream bei, wie es der jetzige Markt bereits andeuten lässt.

„Sowohl Bio als auch Fairtrade wird in naher Zukunft ein Standard“

Allerdings ist auch anzumerken, dass währenddessen eine Verwässerung stattfinden wird bzw. bereits stattfindet, ein sogenanntes „watering down“. Der Siegel macht den Deal mit dem Kunden. Er dient, beispielsweise, zum Schutz vor Verfälschung und trägt auch zur positiven Wirkung auf den Kunden bei. Hierbei spielen die Europäischen Standards eine maßgebende Rolle. Um Brücken zu den großen Konzernen bauen zu können, werden die Ansprüche solcher Siegel immer mehr heruntergeschraubt. Sowohl Bio als auch Fairtrade ist daher nicht immer vernünftig, aber vereinfacht den Verkaufsprozess. Das wiederum ist dem Mindset des „Big Business“ verschuldet. Aus wirtschaftsgeschichtlicher Perspektive war ein gerechter Preis mit einer Marge von ca. 10% für den Händler üblich. Heutzutage gelten jedoch ca. 30-35% als Standard. Das wäre nach klassischem Verständnis vollkommen verrückt. Und dennoch gibt es inzwischen genügend Händler, die davon nicht leben können.

Selbstverständlich ist ein niedriger Preis aus einer reinen Marketingperspektive der „faslche Weg“. Aber tatsächlich ist ein niedriger Preis nicht nur ein gutes Argument, sondern macht auch Sinn. Damit sind Sie als Unternehmen automatisch auf der Seite des Kunden und das bildet das Fundament für eine gute und empathische Philosophie.

„Transparente und offene Preispolitik“

Das Unternehmen Nespresso ist das beste Negativ-Beispiel: eine äußert schlechte ökonomische Bilanz durch horrende Preise, die wiederum sicherlich auch Ihrer teuren Werbung mit George Clooney verschuldet sind, gehen einher mit einer ungemein schlechten ökologischen Bilanz. Ich rate daher niemals den Trade-Off „Preis oder Bio“ zu spielen. Dann lieber anstreben, sich innerhalb des unteren Bio-Preissegmentes einzureihen, aber dafür eben immer Bio. Meine durchgängige Empfehlung zur Preispolitik, die auch empirisch belegt ist, ist die Offenlegung der Preiszusammensetzung. Mit einer guten Darlegung der Argumente, kann man einen höheren Preis durchaus erklären. Sowohl der Kunde als auch das Unternehmen kann mit einer transparenten und offenen Preispolitik den größten Mehrwert beider erzielen.“

2. Wie bestimmen Sie den Preis, wenn Sie merken, dass Sie ein bestimmtes Produkt deutlich günstiger anbieten können als der Markt? 

„Das ist eine gute Frage. Ich empfehle sich hierbei am Vorbild des Schweizer Unternehmers Gottlieb Duttweiler zu orientieren. Das heißt, dass man einer Marge von ca. 5-10% als Grundsatz orientiert. Ein klarer Vorteil ist, dass ein sehr niedriger und beständiger Preis sehr wertvoll ist, da der Kunde bleibt. Das hat sich auch bei unserer Teekampagne bewehrt: ca. 94% haben wir mittels Mund-Zu-Mund Propaganda gewinnen können. Zufriedene Kunden Ihres Unternehmens machen ganz eigenständige Werbung für Sie. Es entsteht also ein Ethos, der Kundengewinnung vorantreibt. Durchaus muss Überzeugung praktiziert werden, aber dadurch erlangt Ihr Unternehmen einen Charme mit hoher Erfolgswahrscheinlichkeit. Aldi dient hierfür als bestes Beispiel, ist allerdings von einer doch eher schlechte PR geprägt.“ 

3. Was stört Sie denn an denn am meisten an der heutigen Start-Up-Szene? 

„Als Berater und Coach von diversen Start-Ups muss ich vorab sagen, dass ich mit großer Zufriedenheit die stetig steigende Anzahl an neuen Start-Ups beobachte und erlebe. Es ist toll, dass besonders in den letzten Jahren immer mehr junge Leute bereit sind, ihre eignen Ideen tatkräftig umzusetzen und zu verwirklichen.

„Go For Cause“

Allerdings wünschte ich mir, sie würden hierbei mehr nach dem Prinzip "Go For Cause" arbeiten. Damit meine ich, dass sie nicht nur nach dem Motto „Hauptsache Gewinn“ handeln, sondern eben mit einem eindrücklichen Anliegen und Ziel ein Start-Up ins Leben rufen. Denn ein glaubwürdiges Einsetzen für ein konkretes Anliegen ist überzeugender und erfolgreicher als ein reines gewinnorientiertes Unternehmen. Um auch hier ein Negativ-Beispiel anzuführen, möchte ich kurz den Nestle Konzern erwähnen.Dieser gilt inzwischen als "paradigmatic for a hypocritical sustainability", also als ein Großkonzern mit einer beispielhaft scheinheiligen Nachhaltigkeitsphilosophie.Man sollte nicht vergessen, Sympathie ist ein antreibender Faktor.  Ich wünschte mir also, dass man sich mehr für ein Vorantreiben der Gesellschaft, wie zum Beispiel für Nachhaltigkeit, durch ein Start Up Unternehmen einsetzt." 

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4. Was denken Sie grundsätzlich über den Verkauf auf Amazon? 

„Amzon vs. Ali Baba: Der Kampf der Giganten schlechthin unserer wirtschaftlichen Neuzeit. Ali Baba ist mit Abstand der größte online Marktplatz in Asien, und Amazon ist sein Pendent bei uns hier in der westlichen Welt. Ich habe das Gefühl, dass Amazon langfristig Ali unterliegen wird. Man muss sich vor Augen führen, dass Amazon ein einziges Angebot hat, das den kleinen Unternehmen ermöglicht auch am großen Markt teilzuhaben. Hierbei wird allerdings ein sehr großer Wert auf die Individualität der Unternehmen, und auch der Kunden gelegt. Ich denke, dass das ein Vertriebsmodell ist, das sich nur sehr schwer als kompatibel für den Asiatischen Marktplatz entwickeln lässt. Auf dem asiatischen Markt spielt Individualität eine deutlich kleinere Rolle. Ali Baba zielt auf größere und breitere Masse ab und wird dadurch auf lange Sicht erfolgreicher sein können.“ 

5. Wann erscheint ihr nächstes Buch und worum geht es? 

„Mein nächstes Buch „David gegen Goliat: Die Ökonomie der Zukunft“ erscheint noch Ende diesen Jahres, voraussichtlich im Oktober, und zielt indirekt eigentlich auch genau auf das eben geschilderte Duell der kleinen Unternehmen vs. der großen Unternehmen ab. Die Kleinen gegen die Großen. Durch die stetig und rasant steigende Konkurrenz auf dem internationalen Markt wird mittlerweile schnell deutlich, dass man sich etwas Besseres ausdenken muss, um die Großen zu schlagen. Im Grunde genommen stellt das neue Buch auch einen intensiven Rückgriff auf ‚Kopf schlägt Kapital’ dar. Die Frage stellt sich also: Wie können wir Ökonomie besser machen? Klar, eine breit aufgestellte Auswahl an Zahlungsmethoden für den Kunden, wie beispielsweise Pay Pal o.ä., ist eine durchaus sinnvolle Vorgehensweise. Nur ist auch diese mittlerweile fast schon zum Standard geworden. Schließlich ist es deutlich schwieriger lediglich die Zahlungsmethode der Vorkasse anzubieten, da dadurch umso mehr Überzeugungsarbeit gegenüber dem Kunden geleistet werden muss, damit dieser diese Zahlungsart erst mal „auf sich nimmt“. Umso sinnvoller empfinde ich die Setzung ganz eigener und individueller, wenn nicht sogar origineller Standards.

„Setzung eigener Standards“

Als Beispiel erinnere ich gerne an die von uns gestartete Waschkampagne, die erstmals darauf aufmerksam machte, dass frisch gewaschene Wäsche nicht zwingend nach etwas riechen sollte. Da sie ja frisch ist und letzten Endes auch frei von jeglichen Bakterien oder zugesetzten Stoffen sein sollte, ist es nun doch etwas kurios, dass frisch gewaschene Wäsche immer von einem starken Duft geprägt ist und somit auch voll von also von Parfümen und zugesetzten Chemikalien ist. Wir haben daher erstmals einen neuen, ganz eigenen Standard entwickelt. Das Weglassen des Parfüms – ganz nach dem Motto: Frische Wäsche hat nicht zu Riechen. Eine Setzung eigener Standards ist also vor allem sehr sinnvoll, wenn man sich von dem Großmarkt absetze möchte.“

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6. Wie wird man gehört? Wie bekommt ein Konzept Ohr? 

„Mann benötigt eine schräge Story oder außergewöhnliche Idee. Die Menschen müssen denken: 

„Was sind das für Spinner?“

Verrücktheit und Innovation ist sicherlich kein Garant dafür, dass man eine erfolgreiche Idee entwickelt hat, aber es kann durchaus ein Indiz dafür sein, dass man sich auf einem guten Weg befindet. Nur weil es noch keiner gewagt hat, heißt das nicht, dass es keine gute Idee ist. Durch meine 2001 gegründete Stiftung Entrepreneurship und dem jährlich stattfindenden Entrepreneurship Summit, habe ich mittlerweile einen guten Überblick über die  Gründungsideen von Start-Ups gewinnen können. Hierbei hat sich über die Jahre ergeben, dass Innovation und Individualität durchaus zum Erfolg eines Unternehmens positiv beitragen.“

„Vor allem Medien bauen auf Neuigkeiten. Setzen Sie also darauf, dass Sie neu am Markt sind mit einer innovativen Idee. Die Aufmerksamkeitsökonomie prägt unsere heutige Marktwirtschaft gewaltig. Wie kann ich mit einem Minimum an Mitteln maximale Aufmerksamkeit erhalten? Immer schneller gelangen wir an eine immer größere Bandbreite an Informationen. Aufmerksamkeit gehört also zu einem der Schlüsselelemente zum Erfolg.“

7. Wann soll man auslagern oder ist es prinzipiell immer besser auszulagern? 

"Jede Gründung ist individuell. Hier sind individuelle Entscheidungen zu fällen. Da muss man abwägen. Was macht mir Spaß, was weniger? Dabei sollte man aber immer den Horizont im Auge behalten. Logisitik, beispielsweise, sollte immer ausgelagert werden. Warum? Weil sie somit immer preiswerter,preisgünstiger ist. Und dazu auch noch professioneller.

Wird ein Unternehmen größer, ist es oft gewzungen auszulagern. Deshalb ist klein in manchen Bereichen besser als groß. Mit der Größe des Unternehmens erhöhtz sich die Komplexität. Unternehmen klein zu halten vereinfacht die Mitarbeiterführung, der Fokus liegt mehr auf dem operativen Geschäft und es gibt kürzere Entscheidungswege."

 

Das Interview wurde transkribiert von Franziska Lang (Instagram: franomano) und überarbeitet von Stefanie Birk (Instagram: staefni). Es stellt daher eine zusammengefasste und z.T. auch indirekte Version der Aussagen von Prof. Dr. Faltin dar.

Tags: KoRo
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